Krankheitsbilder einfach erklärt - PEDiP e. V.

Erkrankungen des Lipid­stoffwechsels

Erkrankungen des Lipidstoffwechsels (Fettstoffwechselstörungen) können bereits im Kindes- und Jugendalter auftreten. Besonders genetische Formen wie die familiäre Hypercholesterinämie bleiben oft lange unbemerkt, können jedoch unbehandelt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Erwachsenenalter deutlich erhöhen. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind daher besonders wichtig.

1. Familiäre Hypercholesterinämie (genetisch bedingtes hohes LDL-Cholesterin)

Die familiäre Hypercholesterinämie ist die häufigste genetische Fettstoffwechselstörung. Durch eine Veränderung im Erbgut (z. B. LDL-Rezeptor oder ApoB) ist das sogenannte LDL-Cholesterin dauerhaft erhöht. Häufig sind mehrere Familienmitglieder betroffen.

Woran merkt man das?

Im Kindesalter verursacht die Erkrankung meist keine Beschwerden. Sie wird durch eine Blutuntersuchung festgestellt, häufig im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen oder Screeningprogrammen.

Ist das gefährlich?

Unbehandelt führt dauerhaft erhöhtes LDL-Cholesterin zu einer frühzeitigen Gefäßverkalkung (Arteriosklerose). Das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall im Erwachsenenalter steigt deutlich.

Wie wird behandelt?

Neben einer gesunden Ernährung und regelmäßiger Bewegung kommen bei deutlich erhöhten Werten cholesterinsenkende Medikamente (z. B. Statine oder Ezetimib) zum Einsatz. Eine frühzeitige Therapie kann spätere Herz-Kreislauf-Erkrankungen erheblich reduzieren.

2. Familiäre kombinierte Hypercholesterin- und Hypertriglyceridämie

Bei dieser Form sind sowohl das LDL-Cholesterin als auch die Triglyceride erhöht. Sie tritt häufiger im Jugend- und Erwachsenenalter auf und ist oft mit Übergewicht und dem sogenannten metabolischen Syndrom verbunden.

Woran merkt man das?

Auch hier bestehen meist keine Beschwerden. Auffällig sind erhöhte Blutfettwerte bei einer Blutuntersuchung.

Ist das gefährlich?

Dauerhaft erhöhte Blutfette erhöhen das Risiko für Gefäßerkrankungen. Bei stark erhöhten Triglyceriden kann in seltenen Fällen eine Bauchspeicheldrüsenentzündung auftreten.

Wie wird behandelt?

Im Vordergrund stehen Gewichtsnormalisierung, ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung. Gegebenenfalls kommen zusätzlich Medikamente zum Einsatz.

3. Erhöhte Triglyceride (Hypertriglyceridämie)

Triglyceride sind eine weitere Form von Blutfetten. Erhöhte Werte können genetisch bedingt sein oder im Zusammenhang mit Übergewicht, Diabetes oder Stoffwechselstörungen auftreten.

Woran merkt man das?

Meist bestehen keine Symptome. Sehr hohe Werte können Bauchschmerzen verursachen.

Ist das gefährlich?

Extrem erhöhte Triglyceridwerte können das Risiko für eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung erhöhen.

Wie wird behandelt?

Ernährungsumstellung, Gewichtsreduktion und Bewegung stehen im Vordergrund. In bestimmten Fällen sind medikamentöse Therapien notwendig.

4. Seltene genetische Fettstoffwechselstörungen

Seltene Erkrankungen wie die familiäre Dysbetalipoproteinämie, die Hyperchylomikronämie oder die Phytosterolämie erfordern eine spezialisierte Diagnostik und individuelle Therapie. Diese Erkrankungen können zu sehr stark erhöhten Blutfettwerten führen und bedürfen einer Betreuung in spezialisierten Fachambulanzen.

Wann sollte eine Untersuchung erfolgen?

  • Wenn früh Herzinfarkte oder Schlaganfälle in der Familie aufgetreten sind
  • Wenn bekannte Fettstoffwechselstörungen bei Eltern oder Geschwistern bestehen
  • Bei starkem Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhtem Lipoprotein(a) oder Diabetes
  • Im Rahmen empfohlener Vorsorge- oder Screeningprogramme

Warum ist eine frühe Behandlung so wichtig?

Studien zeigen, dass eine frühzeitige Behandlung von Fettstoffwechselstörungen im Kindesalter das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Erwachsenenalter deutlich senkt. Eine rechtzeitige Diagnose schafft Sicherheit und ermöglicht eine gezielte Prävention.