Krankheitsbilder einfach erklärt - PEDiP e. V.

Kinder- und Jugendgynäkologie

Kinder- und jugendgynäkologische Beschwerden betreffen Mädchen vom Säuglingsalter bis ins junge Erwachsenenalter. Viele Veränderungen gehören zur normalen Entwicklung. Manche Symptome sollten jedoch ärztlich abgeklärt werden, um hormonelle Störungen oder andere Erkrankungen frühzeitig zu erkennen.

1. Pubertätsstörungen (vorzeitige oder verspätete Pubertät)

Eine vorzeitige Pubertät beginnt vor dem 8. Lebensjahr mit Brustentwicklung oder Schambehaarung. Von einer verspäteten Pubertät spricht man, wenn nach dem 14. Lebensjahr noch keine Entwicklung eingesetzt hat oder die erste Regelblutung ganz ausbleibt.

Woran merkt man das?

Auffällige frühe oder ausbleibende körperliche Veränderungen im Vergleich zu Gleichaltrigen.

Ist das gefährlich?

Meist handelt es sich um harmlose Entwicklungsvarianten. In einigen Fällen können hormonelle Ursachen vorliegen.

Wie wird behandelt?

Je nach Ursache kommen Beobachtung, hormonelle Therapien oder weitere Untersuchungen zum Einsatz.

2. Entzündungen im Intimbereich (Vulvitis, Vulvovaginitis)

Entzündungen im Intimbereich sind im Kindesalter häufig. Ursachen sind meist Reizungen, Hygienefaktoren oder Infektionen.

Typische Symptome:

Rötung, Juckreiz, Brennen, Ausfluss oder Schmerzen beim Wasserlassen.

Ursachen:

  • Infektiös (Pilze, Viren, Bakterien und Parasiten)
  • Unspezifisch, z. B. durch falsche Kleidung, falsche Hygiene oder Kontamination mit Urin beim Toilettengang
  • Fremdkörper in der Vagina
  • Lichen sclerosus (chronisch vernarbende Entzündung des äußeren Genitale)

Behandlung:

Je nach Ursache lokale Pflege, Anpassung der Hygiene oder gezielte medikamentöse Therapie.

3. Zyklusstörungen und starke Schmerzen (Dysmenorrhoe)

Unregelmäßige oder schmerzhafte Monatsblutungen sind in den ersten Jahren nach der ersten Periode häufig. Sehr starke Blutungen oder anhaltende Beschwerden sollten abgeklärt werden.

4. Endometriose im Jugendalter

Endometriose kann bereits im Jugendalter auftreten und starke, wiederkehrende Unterbauch- und Rückenschmerzen verursachen.

Eine frühe Diagnose verbessert die Behandlungsmöglichkeiten deutlich.

5. Ovarialzysten (Eierstockzysten)

Ovarialzysten sind meist gutartige, flüssigkeitsgefüllte Hohlräume am Eierstock. Viele verschwinden von selbst, manche verursachen Schmerzen.

6. Sexuelle Gesundheit und Beratung

Zur Jugendgynäkologie gehören auch Beratung zu Verhütung, HPV-Impfung, Körperbild, Essstörungen und psychosozialen Themen.

7. Angeborene Fehlbildungen

  • Labiensynechie, meist harmlose Verklebung der kleinen Schamlippen
  • Fehlbildungen
    • der Gebärmutter
    • der Scheide
    • der Klitoris
    • des Hymen („Jungfernhäutchen“)
    • des äußeren Genitale
    • der weiblichen Brust

Wann sollte eine spezialisierte Abklärung erfolgen?

Bei anhaltenden Schmerzen, sehr starken Blutungen, ausbleibender Pubertät oder großer Verunsicherung ist eine kinder- und jugendgynäkologische Untersuchung und eine Vorstellung bei der pädiatrischen Endokrinologin sinnvoll.