Krankheitsbilder einfach erklärt - PEDiP e. V.

Pubertätsstörungen bei Mädchen und Jungen

Die Pubertät ist ein wichtiger Entwicklungsschritt vom Kind zum Erwachsenen. In dieser Zeit verändern sich Körper, Hormone und oft auch die Stimmung deutlich. Beginnt die Pubertät jedoch sehr früh, sehr spät oder verläuft sie anders als erwartet, sprechen Fachleute von einer Pubertätsstörung. Nicht jede Abweichung ist krankhaft – viele Kinder entwickeln sich lediglich etwas früher oder später als Gleichaltrige. Trotzdem ist es wichtig, auffällige Entwicklungen medizinisch einzuordnen, um hormonelle oder seltene genetische Ursachen auszuschließen.

Was passiert normalerweise in der Pubertät?

Die Pubertät wird durch Hormone gesteuert, die im Gehirn (Hypothalamus und Hypophyse) gebildet werden. Diese regen die Eierstöcke bzw. Hoden zur Produktion von Östrogen oder Testosteron an. Bei Mädchen beginnt die Brustentwicklung meist zwischen dem 8. und 13. Lebensjahr, bei Jungen das Hodenwachstum zwischen dem 9. und 14. Lebensjahr. Parallel kommt es zu einem Wachstumsschub, Körperbehaarung und weiteren körperlichen Veränderungen.

1. Vorzeitige Pubertät (Pubertas praecox)

Von einer vorzeitigen Pubertät spricht man, wenn bei Mädchen vor dem 8. Lebensjahr oder bei Jungen vor dem 9. Lebensjahr erste Pubertätszeichen auftreten.

Woran merkt man das?

  • Brustentwicklung oder Hodenwachstum vor dem üblichen Alter
  • Schnelles Längenwachstum
  • Auftreten von Scham- oder Achselbehaarung vor dem üblichen Alter
  • Körpergeruch oder Akne
  • Bei Mädchen vorzeitige Regelblutung vor dem 10. Geburtstag

Ist das gefährlich?

In manchen Fällen liegt eine sogenannte zentrale, hormonell aktivierte Pubertät vor. Oft findet sich keine schwerwiegende Ursache. Unbehandelt kann eine sehr frühe Pubertät jedoch dazu führen, dass sich die Wachstumsfugen früh schließen – die endgültige Körpergröße kann dann geringer ausfallen. Außerdem kann eine vorzeitige Pubertät zu psychischen Problemen und Verhaltensauffälligkeiten führen.

Sehr selten ist die vorzeitige Pubertät durch genetische Defekte, Tumore oder die Kontamination mit Hormonen und Noxen in der Umwelt oder Familie verursacht.

Wie wird behandelt?

Je nach Ursache kann eine medikamentöse Therapie eingesetzt werden, die die Pubertätsentwicklung vorübergehend bremst. Ziel ist es, Wachstum und psychosoziale Entwicklung zu schützen.

2. Verspätete Pubertät

Von einer verspäteten Pubertät spricht man, wenn bei Mädchen mit 14 Jahren noch keine Brustentwicklung begonnen hat oder bei Jungen mit 15 Jahren kein Hodenwachstum erkennbar ist.

Woran merkt man das?

  • Ausbleiben typischer Pubertätszeichen
  • Geringer Wachstumsschub
  • Gefühl, „hinterherzuhinken“ im Vergleich zu Gleichaltrigen

Häufige Ursachen

Die häufigste Ursache ist die sogenannte konstitutionelle Entwicklungsverzögerung (KEV). Diese ist familiär bedingt und medizinisch harmlos. Seltener können hormonelle Störungen, chronische Erkrankungen oder genetische Veränderungen eine Rolle spielen.

Ist das gefährlich?

In den meisten Fällen nicht. Dennoch kann die Situation psychisch belastend sein. Eine sorgfältige Diagnostik hilft, seltene Ursachen auszuschließen.

Wie wird behandelt?

Je nach Befund kann zunächst abgewartet werden. In bestimmten Fällen wird eine niedrig dosierte hormonelle Pubertätseinleitung durchgeführt.

Wie wird eine Pubertätsstörung abgeklärt?

Die Diagnostik umfasst ein ausführliches Gespräch, körperliche Untersuchung, Wachstumskontrollen, Blutuntersuchungen und gegebenenfalls eine Röntgenaufnahme zur Bestimmung des Knochenalters. In besonderen Fällen sind weitere bildgebende Verfahren notwendig.

Prognose und Verlauf

Die meisten Pubertätsstörungen sind gut behandelbar oder entwickeln sich von selbst normal weiter. Eine frühzeitige fachärztliche Begleitung sorgt für Sicherheit und unterstützt Kinder sowie Eltern in dieser sensiblen Phase.

Wann sollte eine spezialisierte Untersuchung erfolgen?

  • Wenn Pubertätszeichen deutlich vor oder nach dem üblichen Altersbereich auftreten
  • Bei raschem Fortschreiten der Entwicklung oder Stillstand einer bereits begonnenen Pubertät
  • Bei starkem Leidensdruck des Kindes
  • Wenn zusätzlich Wachstumsstörungen bestehen

Eine kinderendokrinologische Abklärung ermöglicht eine gezielte Einschätzung und gegebenenfalls frühzeitige Therapie.